Rezension: "Das Reich der Sieben Höfe (2) - Flammen und Finsternis" von Sarah J. Maas

Sonntag, 13. August 2017








Feyre hat überlebt. Sie hat Amarantha, die grausame Fae-Königin, besiegt und ist mit Tamlin an den Frühlingshof zurückgekehrt. Doch das scheinbar glückliche Ende täuscht. Tamlin verändert sich immer mehr und nimmt ihr allen Freiraum. Feyre hat Albträume, denn sie kann die schrecklichen Dinge nicht vergessen, die sie tun musste, um Tamlin zu retten. 

Und sie ist einen riskanten Handel mit Rhys eingegangen und muss nun jeden Monat eine Woche an seinem gefürchteten Hof der Nacht verbringen. Dort wird sie immer tiefer in ein Netz aus Intrigen, Machtspielen und ungezügelter Leidenschaft gezogen.


Quelle: dtv Verlag







- Zweiter Teil einer Trilogie: SPOILER Gefahr - 


">>Es gibt verschiedene Arten von Dunkelheit<<, sagte Rhys. Ich hielt meine Augen geschlossen. >>Da ist die Dunkelheit, die Angst macht, die Dunkelheit, die tröstet, und die Dunkelheit, die Frieden bringt.<<
Ich stellte mir vor, was er da beschrieb. 
>>Da ist die Dunkelheit der Liebenden und die Dunkelheit der Mörder. Sie wird zu dem, wozu der Schöpfer sie macht, was er von ihr braucht.
Die Dunkelheit selbst ist nie gut oder schlecht.<<"

["Das Reich der sieben Höfe (2) - Flammen und Finsternis" | Sarah J. Maas | S. 345]





Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal dem Erscheinen einer Fortsetzung dermaßen entgegengefiebert habe. Dick und in Grellrot habe ich mir das Erscheinungsdatum von "Das Reich der Sieben Höfe (2) - Flammen und Finsternis" im Kalender markiert. Mein Herz machte Saltos, als ich es dann endlich - endlich - in Händen hielt und wieder in das Reich der sieben Höfe, nach Prythian, zurückkehren durfte, wo bereits allerlei Irrungen und Wirrungen, Gefühlsabgründe und Herzklopfen, Intrigen und Offenbarungen auf mich warteten.


Sarah J. Maas hat geschafft, was leider einigen Autoren meiner Meinung nach häufig misslingt: Eine Fortsetzung zu schreiben, die dem ersten Teil einer Buchreihe in nichts nachsteht - ja diesen vielleicht sogar übertrifft.
Nach den ersten gelesenen Seiten ist es, als hätte man Prythian nie verlassen - ohne jegliches Vorgeplänkel katapultiert Sarah J. Maas ihre Leser zurück in diese aufregende, magische Welt, die wir mit Freyres Augen erleben dürfen. Zurück am Frühlingshof erwarten den Leser gleich zu Beginn so einige Begebenheiten, die ich nicht vorhergesehen hätte. 
Wo wir auch gleich beim Thema wären: Ich habe mich tatsächlich keine Sekunde während des Lesens dieses Wälzers (und diesen Titel verdient dieses Buch dank seiner 700-seitigen-Pracht definitiv) gelangweilt. Selbst wenn zwischendurch nicht eine erschreckende, unvorhergesehene Wendung die nächste jagte, sondern während ruhigeren Zwischenstrecken Charaktere oder Orte dem Leser näher gebracht wurden, so führte dies niemals zur Langatmigkeit. 

Dies ist sicherlich zum Teil Sarah J. Maas' grandiosem Schreibstil geschuldet: Mein Gott, wie viel Detailliebe, Gefühle und Treffsicherheit in ihren Beschreibungen doch stecken. Dank dieses Talents verlieren Orte wie Velaris, der Hof der Albträume oder gar Hybern ihre Bedeutungslosigkeit und werden zu pulsierenden Orten, die voller Leben stecken und sich während des Lesens unheimlich real anfühlen. Ebenso verhält es sich mit Feyres Gefühlswelt, die - ohne zuviel verraten zu wollen - eine riesige Bandbreite an unterschiedlichsten Emotionen in diesem Band zu bieten hatte. Dank Sarah Maas Talent zum Schreiben haben mich Feyres Gefühle mitten ins Herz getroffen - egal, ob es sich dabei um allesverzehrende Traurigkeit oder himmelhochjauchzende Freude handelte.

Worauf ich mich mitunter nach Beenden des ersten Bandes am meisten gefreut hatte, war in Band zwei den Hof der Nacht, Rhysands Zuhause, kennenzulernen. Dank der in Band 1 getroffenen Vereinbarung war dies schließlich unvermeidlich und, wenn ich ehrlich bin, so ziemlich das Einzige, was ich bezüglich der Geschehnisse in Band 2 vorhersehen konnte. Denn mit dem, was sich hinter dem Hof der Nacht, hinter dem geheimnisvollen Rhysand wirklich verbirgt, hatte ich definitiv nicht gerechnet. Meine kühnsten Erwartungen wurden übertroffen und ich hätte nichts dagegen, wenn diesem Buch noch weitere 700 Seiten hinzugefügt worden wären, um weitere Einblicke in dieses Reich bekommen zu können, um durch Velaris' Straßen unter einem strahlenden Sternenhimmel zu streifen.

Doch was diese grandiose Fortsetzung so großartig, so besonders macht, dass mein Herz nach Beenden der letzten Seite blutete (und immer noch blutet), sind die Charaktere. Meine Güte, wie tief sie sich doch in mein Herz eingeschlichen haben, allesamt. Allen voran Feyre, die eine dermaßen gewaltige Charakterentwicklung durchlebt, sich in diesem Band einerseits zerbrochen und verletzlich zeigt und mich dennoch so einige Male mit ihrer Stärke zutiefst beeindrucken konnte. Doch dies ist nur ein Beispiel von vielen: Ganz gleich, ob Tamlin, Lucien, Rhysand, der innere Kreis, Feyres Schwestern oder sonstige, noch so nebensächlich erscheinende Nebenfiguren - all diese Charaktere sind unheimlich faszinierend, facettenreich und vielschichtig. Und Rhysand? Über ihn verliere ich besser nicht zu viele Worte, denn wenn ich anfangen würde, so würde diese Rezension in einem Epos enden. Nur so viel sei gesagt: Er hat definitiv das Potenzial zum Lieblingscharakter aller Zeiten. 

Wer diesen Band gelesen hat, kann gar nicht anders, als zu verstehen, warum sich alles, was aus Sarah J. Maas' Feder stammt, einer so großen Popularität erfreut. Ihre Charaktere werden für den Leser zu treuen Verbündeten und zu gehassten Feinden. Sämtliche Handlungsstränge verursachen wildes Herzklopfen, bangende Verzweiflung und aufkeimende Hoffnung. Und als wären die 700 Seiten dieser Fortsetzung nicht schon aufregend genug, greift Sarah J. Maas mit ihrem Ende (ähnlich wie bei Band 1 auch) mit ihrer Hand direkt nach dem Herz ihrer Leser und drückt mit einem ebenso überwältigenden wie auch erbarmungslosen unvorhergesehenen Ende zu.



">>Auf diejenigen, die zu den Sternen schauen und sich etwas wünschen, Rhys.<< Er nahm sein Glas und schaute mich so durchdringend an, dass ich mich fragte, wie ich je unter Tarquins Blick erröten konnte. Rhys stieß mit seine Glas leicht gegen meins.
>>Auf die Sterne, die zuhören - und auf die Träume, die wahr werden.<<"

["Das Reich der sieben Höfe (2) - Flammen und Finsternis" | Sarah J. Maas | S. 388]








"Wie soll ich nur die Zeit bis zum Erscheinen des dritten Bandes überstehen?", ist der Gedanke, der mich seit Beenden von "Das Reich der Sieben Höfe (2) - Flammen und Finsternis" quält. Fest steht, dass diese Fortsetzung dem ersten Band in nichts nachsteht, ja meine hohen Erwartungen sogar übertroffen hat. Ich kann euch nur wärmstens ans Herz legen, euch von dieser Trilogie in das Reich der Sieben Höfe, nach Prythian, entführen zu lassen. 
Macht euch auf rasante Handlungsstränge, faszinierende Charaktere und viel, viel Herzklopfen bereit - ach ja, und auf ein blutendes Herz, das ihr definitiv haben werdet, sobald ihr die letzte Seite dieses großartigen Buches gelesen habt und Prythian (vorerst) wieder verlassen müsst. 

Rezension: "Nemesis - Geliebter Feind" - Anna Banks

Samstag, 22. Juli 2017








Prinzessin Sepora ist auf der Flucht: Ihr Vater will sich mithilfe ihrer einzigartigen Gabe zum Herrscher über alle fünf Königreiche aufschwingen. Um das zu verhindern, taucht sie im verfeindeten Theoria unter, wo sie unfreiwillig als Dienerin am Königshof landet.
Prompt verliebt sie sich in den jungen, smarten König Tarik – und steht schon bald vor einer folgenschweren Entscheidung: Ist sie bereit, ihren Gefühlen nachzugeben und Tarik die Wahrheit über ihre Herkunft zu verraten?


Quelle: randomhouse






">>Im Krieg gibt es keine Sieger, Sepora. 
Es gibt nur Königreiche mit weniger Opfern.<<"

["Nemesis - Geliebter Feind" | Anna Banks | S. 205]





"Nemesis - Geliebter Feind" klang exakt nach der Art von Geschichte, der ich im Normalfall hoffnungslos verfallen bin: Ein Hauch Fantasy, eine Prise Romantik, royale Hauptfiguren und jede Menge Gefühlswirrwarr. Die Zutaten stimmten - doch an der Umsetzung haperte es ein wenig.


Der Einstieg des Buches ist sanft und gemächlich. In ruhigem Tempo begleitet man als Leser Sepora auf ihrer Flucht vor ihrem Vater, auf in das verfeindete Königreich Theoria, wo einige Hindernisse auf sie warten. Dachte ich zu Anfang noch, dass auf den gemächlichen Einstieg bald eine rasanter werdende Handlung folgen würde, so wurde ich leider enttäuscht. 

Die Handlung plätschert das gesamte Buch über vor sich hin. Das Tragische dabei ist: Dieses Buch hätte so viel Potenzial! Immer wenn ich nach irgendeiner Enthüllung dachte "Oh, jetzt könnte es interessant werden...", ist diese Wendung im Sand verlaufen und die Handlung verfiel wieder in ein trabendes, statt in ein galoppierendes Tempo. Sehr schade, zumal viele gute, originelle Ideen in "Nemesis" stecken. Wie gern hätte ich mehr über die rätselhafte Substanz "Spektorium" erfahren, um die sich das gesamte Buch zu drehen scheint und die dennoch nie wirklich näher erklärt wird.

Der ständige Perspektivwechsel zwischen Seporas und Tariks Sicht hat meiner Meinung nach leider zur Langatmigkeit beigetragen. Ich liebe Perspektivwechsel, aber nur, wenn sie sinnvoll umgesetzt werden. Doch wo liegt der Reiz in einem Perspektivwechsel, wenn durch das Kapitel in der Sicht von Protagonist A ein Geheimnis, das Protagonist B im nächsten Kapitel enthüllt, bereits vorweggenommen wird? Überraschungsmomente waren dementsprechend sehr selten.

Auch die Charaktere, in denen so viel Potenzial hätte stecken können, waren für mich eher enttäuschend. Sepora war mir zu perfekt, Tarik zu langweilig, die Nebencharaktere (von denen es nicht allzu viele gab) zu flach und der Bösewicht der Geschichte einfach nur... böse. Schon lange bin ich der Schwarz-Weiß-Malerei, die man leider zu oft in Jugendbüchern antrifft, müde. Warum gibt es in kaum einem Jugendbuch einen interessanten Antagonisten, einen zerrissenen Bösewicht, der nicht einfach nur von Natur aus abgrundtief böse, machthungrig und besessen ist? Warum machen es sich die Autoren in dieser Hinsicht immer so einfach? Ich werde es wohl nie verstehen.

Die auf dem Klappentext angepriesene Liebesgeschichte hat mich emotional leider überhaupt nicht berührt. Ich konnte die beidseitige Anziehung nicht nachvollziehen und auch die wenigen Liebesszenen des Buches waren weder romantisch, noch berührend oder niedlich. Die traurige Wahrheit ist: Tariks und Seporas Gefühle zueinander konnten in mir leider null Gefühlsregung auslösen.

Auch wenn die oben genannten bemängelten Punkte den Anschein erwecken mögen, dass dieses Buch von vorne bis hinten eine Enttäuschung für mich war, ist dem nicht so. Wie bereits zu Anfang erwähnt, steckt eine Vielzahl an originellen Ideen in "Nemesis", die mir in anderen Jugendbüchern so bisher noch nicht untergekommen sind. Auch das Ende, an dem endlich einmal etwas Spannung und Geschwindigkeit aufkam, empfand ich als überaus gelungen. Wie man neugierigmachende Cliffhanger schreibt, scheint Anna Banks zu verstehen. Trotzdem bin ich noch unschlüssig, ob ich Band 2 eine Chance geben werde. 







"Nemesis - Geliebter Feind" hätte für mich Lieblingsbuch-Potenzial gehabt. Leider wird dieses Potenzial meiner Meinung nach nicht vollends ausgeschöpft: Interessante Aspekte bleiben unerklärt, die Handlung verläuft in gemächlichem Tempo und die Charaktere folgen einem eintönigen Schwarz-Weiß-Muster. "Nemesis" ist wohl ein typisches "Buch für Zwischendurch". Doch wer eine romantische Liebesgeschichte, spannende Handlungsstränge und Gefühlsachterbahnen erwartet, wird eher enttäuscht werden. 

 


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