Rezension: "Nemesis - Geliebter Feind" - Anna Banks

Samstag, 22. Juli 2017








Prinzessin Sepora ist auf der Flucht: Ihr Vater will sich mithilfe ihrer einzigartigen Gabe zum Herrscher über alle fünf Königreiche aufschwingen. Um das zu verhindern, taucht sie im verfeindeten Theoria unter, wo sie unfreiwillig als Dienerin am Königshof landet.
Prompt verliebt sie sich in den jungen, smarten König Tarik – und steht schon bald vor einer folgenschweren Entscheidung: Ist sie bereit, ihren Gefühlen nachzugeben und Tarik die Wahrheit über ihre Herkunft zu verraten?


Quelle: randomhouse






">>Im Krieg gibt es keine Sieger, Sepora. 
Es gibt nur Königreiche mit weniger Opfern.<<"

["Nemesis - Geliebter Feind" | Anna Banks | S. 205]





"Nemesis - Geliebter Feind" klang exakt nach der Art von Geschichte, der ich im Normalfall hoffnungslos verfallen bin: Ein Hauch Fantasy, eine Prise Romantik, royale Hauptfiguren und jede Menge Gefühlswirrwarr. Die Zutaten stimmten - doch an der Umsetzung haperte es ein wenig.


Der Einstieg des Buches ist sanft und gemächlich. In ruhigem Tempo begleitet man als Leser Sepora auf ihrer Flucht vor ihrem Vater, auf in das verfeindete Königreich Theoria, wo einige Hindernisse auf sie warten. Dachte ich zu Anfang noch, dass auf den gemächlichen Einstieg bald eine rasanter werdende Handlung folgen würde, so wurde ich leider enttäuscht. 

Die Handlung plätschert das gesamte Buch über vor sich hin. Das Tragische dabei ist: Dieses Buch hätte so viel Potenzial! Immer wenn ich nach irgendeiner Enthüllung dachte "Oh, jetzt könnte es interessant werden...", ist diese Wendung im Sand verlaufen und die Handlung verfiel wieder in ein trabendes, statt in ein galoppierendes Tempo. Sehr schade, zumal viele gute, originelle Ideen in "Nemesis" stecken. Wie gern hätte ich mehr über die rätselhafte Substanz "Spektorium" erfahren, um die sich das gesamte Buch zu drehen scheint und die dennoch nie wirklich näher erklärt wird.

Der ständige Perspektivwechsel zwischen Seporas und Tariks Sicht hat meiner Meinung nach leider zur Langatmigkeit beigetragen. Ich liebe Perspektivwechsel, aber nur, wenn sie sinnvoll umgesetzt werden. Doch wo liegt der Reiz in einem Perspektivwechsel, wenn durch das Kapitel in der Sicht von Protagonist A ein Geheimnis, das Protagonist B im nächsten Kapitel enthüllt, bereits vorweggenommen wird? Überraschungsmomente waren dementsprechend sehr selten.

Auch die Charaktere, in denen so viel Potenzial hätte stecken können, waren für mich eher enttäuschend. Sepora war mir zu perfekt, Tarik zu langweilig, die Nebencharaktere (von denen es nicht allzu viele gab) zu flach und der Bösewicht der Geschichte einfach nur... böse. Schon lange bin ich der Schwarz-Weiß-Malerei, die man leider zu oft in Jugendbüchern antrifft, müde. Warum gibt es in kaum einem Jugendbuch einen interessanten Antagonisten, einen zerrissenen Bösewicht, der nicht einfach nur von Natur aus abgrundtief böse, machthungrig und besessen ist? Warum machen es sich die Autoren in dieser Hinsicht immer so einfach? Ich werde es wohl nie verstehen.

Die auf dem Klappentext angepriesene Liebesgeschichte hat mich emotional leider überhaupt nicht berührt. Ich konnte die beidseitige Anziehung nicht nachvollziehen und auch die wenigen Liebesszenen des Buches waren weder romantisch, noch berührend oder niedlich. Die traurige Wahrheit ist: Tariks und Seporas Gefühle zueinander konnten in mir leider null Gefühlsregung auslösen.

Auch wenn die oben genannten bemängelten Punkte den Anschein erwecken mögen, dass dieses Buch von vorne bis hinten eine Enttäuschung für mich war, ist dem nicht so. Wie bereits zu Anfang erwähnt, steckt eine Vielzahl an originellen Ideen in "Nemesis", die mir in anderen Jugendbüchern so bisher noch nicht untergekommen sind. Auch das Ende, an dem endlich einmal etwas Spannung und Geschwindigkeit aufkam, empfand ich als überaus gelungen. Wie man neugierigmachende Cliffhanger schreibt, scheint Anna Banks zu verstehen. Trotzdem bin ich noch unschlüssig, ob ich Band 2 eine Chance geben werde. 







"Nemesis - Geliebter Feind" hätte für mich Lieblingsbuch-Potenzial gehabt. Leider wird dieses Potenzial meiner Meinung nach nicht vollends ausgeschöpft: Interessante Aspekte bleiben unerklärt, die Handlung verläuft in gemächlichem Tempo und die Charaktere folgen einem eintönigen Schwarz-Weiß-Muster. "Nemesis" ist wohl ein typisches "Buch für Zwischendurch". Doch wer eine romantische Liebesgeschichte, spannende Handlungsstränge und Gefühlsachterbahnen erwartet, wird eher enttäuscht werden. 

 


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